| 
|
 |
H.G.
Ewers kehrt als Gastautor zur PERRY RHODAN-Serie zurück (Heft 2110
"Der gute Geist von Wassermal") und wird bald seinen ersten
REN DHARK-Roman schreiben. Captain Krause sprach mit dem "Meister
der schillernden Figuren".
Cpt. Krause:
Herr Ewers, 310 Romanbeiträge für PERRY RHODAN, über neunzig
für ATLAN und viele ORION-Romane. Eine gehörige Portion Science
Fiction. Man könnte meinen, Sie ruhen sich jetzt aus und genießen
den wohlverdienten Ruhestand. Doch Sie schreiben wieder - kribbelt es
Ihnen in den Fingern?
H.G. Ewers:
Nach meiner medizinischen Ausbildung wollte ich eigentlich praktizieren,
aber dennoch wieder schreiben, nur schwebte mir die Ausarbeitung eines
SF-Romans in Buchform vor. Das Thema steht seit langem fest und ich hatte
auch schon eine Verabredung mit dem Redakteur eines Verlages, der das
Buch herausbringen könnte.
Allerdings merkte ich, daß die Vorbereitung - Recherchen und geistige
Vorbereitung - noch lange Zeit beanspruchen würde. Deshalb, und auch,
weil ich das meinen Fans in Mannheim versprochen hatte, arbeitete ich
auf einen Wiedereinstieg in die PERRY RHODAN-Serie als Gastautor hin und
stieg nebenbei mit einem Fortsetzungsroman über die erste bemannte
Marsexpedition bei der Mars Society (www.marssociety.de) ein. Außerdem
werde ich demnächst auch bei REN DHARK mitschreiben.
Der tiefere Grund für die Wiederaufnahme meiner schriftstellerischen
Aktivität ist aber wohl, daß man einfach nicht aufhören
kann, wenn einem das Schreiben im Blut liegt. Es gehört zum Leben,
man kann es niemals ganz weglassen, ohne das Leben zu beschädigen.
Zirkuspferd bleibt Zirkuspferd!
Cpt. Krause:
Sie siedelten 1961 aus der DDR, wo Sie als Lehrer tätig waren, in
die Bundesrepublik über. Ein Jahr später erschien Ihr erster
SF-Roman bei TERRA. Wie kam es zu dieser Flucht und der beruflichen Neuorientierung?
Hatten Sie sich zuvor schon als Autor versucht?
H.G. Ewers:
Im Grunde genommen bin ich nur geflohen, weil ich durch einen Informanten
erfuhr, daß die DDR schon bald ihr letztes "Loch in den Westen",
nämlich die Sektorengrenze in Berlin, dicht machen würde. Der
Gedanke, lebenslänglich in der DDR eingesperrt und der Willkür
des Regimes ausgeliefert zu sein, war für mich unerträglich.
Andernfalls hätte ich mein Haus mit rund 1000 qm Grundstück
nicht zurückgelassen (das die Behörden dort aus Rache verkauften,
was meiner Meinung nach ebenso gegen Recht und Gesetz verstößt
wie der Passus in dem von Helmut Kohl ausgehandelten Einheitsvertrag,
der eine Rückgabe ausschließt, um dem Staat Kosten zu ersparen).
Mein Einstieg in die Schriftstellerei war eigentlich keine berufliche
Neuorientierung. Ich hatte mich schon seit etwa 1950 sehr stark für
alles interessiert, was mit dem Universum und der Zukunft des Menschen
im Weltraum zusammenhing. Durch das Lesen aller Hans-Dominik-Romane, dem
Studium der Einsteinschen Relativitätstheorien, durch Ziolkowskis
Abhandlung "Die Rakete in den Raum" (in der er so treffend bemerkte:
"Die Erde ist die Wiege der Menschheit - aber wer will schon ewig
in einer Wiege leben!") sowie durch den Roman von Stanislaw Lem "Gast
im Weltraum" wurde ich so stark motiviert, Science Fiction zu schreiben,
daß ich die Ausbildung zum Lehrer weggelassen hätte. Aber in
der DDR war es unmöglich, irgend etwas zu schreiben, was nicht auf
der politischen Linie des Regimes lag - und mir hatte mein Stolz schon
immer verboten, mich anzubiedern oder mich gar zu unterwerfen. Es scherte
mich nicht, daß ich mir dadurch immer wieder große Nachteile
einhandelte und manchmal sogar auf einem schmalen Grat wanderte, bei dem
ein Absturz ins Zuchthaus Bautzen nahe lag. Also wurde ich erst einmal
Lehrer, schrieb aber dennoch meinen Roman "Vermächtnis der toten
Augen", den ich dann aber vor meiner Flucht verbrannte und später
in Köln neu schrieb.
Cpt. Krause:
Im Laufe der Jahre schrieben Sie gut ein Siebtel der PERRY RHODAN-Serie.
H.G. Ewers:
Ich las PERRY RHODAN von Band 1 an lückenlos mit wachsender Begeisterung.
Was K.H. Scheer und Clark Darlton damals auf die Beine gestellt hatten,
war einfach genial. Ich empfand es als ganz große Ehre, als ich
endlich daran mitarbeiten konnte. Zwar waren die Exposés später
nicht immer meine Kragenweite (so etwas zu erwarten, wäre objektiv
vermessen gewesen. Und ich weiß, daß für einen Exposé-Redakteur
die fertigen Manuskripte auch nicht immer das Gelbe vom Ei waren und sind,
das alles ist die Normalität und anders schlecht vorstellbar für
den Macher), aber wozu hat man denn Phantasie!
Also bearbeitete ich die Exposés, bis die Handlung meinen Vorstellungen
entsprach und sich spannend gestalten ließ. Und wenn ich einmal
von etwas begeistert bin, kann mich nichts mehr bremsen ...!
Cpt. Krause:
Verfolgten Sie die Geschehnisse von PERRY RHODAN und wollten mal wieder
"mitmischen", oder wie kam der Gastroman zustande? Wie ist Ihre
Meinung zu dem PERRY RHODAN von heute?
H.G. Ewers:
Ich
war nach dem Hauptteil meines medizinischen Studiums immer bereit für
einen Wiedereinstieg in PERRY RHODAN, aber beim Verlag zögerte man
noch. Das änderte sich allmählich, nachdem ich beim WeltCon
in Mainz von den Fans mit "Standing Ovations" gefeiert wurde
und die Fans direkt anfragten, ob ich wieder schreiben würde. Ich
sagte damals nur "Nichts ist unmöglich", weil ich ohne
Rücksprache mit dem verantwortlichen Chefredakteur nicht zusagen
wollte, aber für mich war das ein Versprechen. Für alles muß
immer erst die Zeit reif werden. Und das war sie Anfang 2001, als feststand,
daß ich mit Band 2110 als Gastautor einsteigen würde.
Was meine Meinung über den PERRY RHODAN von heute ist: Er ist sehr
gut, voller Abenteuer, durchdrungen von tiefer Humanität, voller
Liebe zum Kosmos, voller Verständnis für die Rätsel von
Raum und Zeit, voller Einsicht, daß man niemals alles ergründen
kann und voller Fleiß und Beharrlichkeit der Autoren, des Exposé-Redakteurs
und der Redaktion. Natürlich sind wir alle unzulänglich, aber
das ist Gott auch, wenn man sich ansieht, wie die Geschichte der Menschheit
bis heute gelaufen ist ...
Kurz gesagt: Ich mag PERRY RHODAN, wie er heute ist!
Cpt. Krause:
Man sah Sie auf verschiedenen Fantreffen, wie z. B. auf dem PERRY RHODAN
WeltCon 2000 und dem REN DHARK Event 2001. Vereinzelt hörte man Fans
raunen: "Das soll der Ewers sein, müsste der nicht schon älter
sein?" Deswegen eine hinter der Hand gemunkelte Frage: Tragen Sie
einen Zellaktivator?
H.G. Ewers:
Ebenfalls hinter vorgehaltener Hand in Siganesenlautstärke geflüstert:
Ich habe auf einem Flohmarkt einen gebrauchten Zellaktivator erstanden,
der auf einer anderen Zeitschleife von Raumkapitän Nelson auf einem
Schrottplatz gefunden und von seinem Roboter George repariert wurde. Mal
funktioniert er, mal nicht, aber er war hilfreich, das muß ich zugeben.
Bitte, nicht weitersagen!
Cpt. Krause:
Sie werden oft bezeichnet als "Meister der schillernden Figuren"
und schufen bei PERRY RHODAN eine bemerkenswerte Vielzahl unterschiedlichster
Figuren. Worin liegt dieser Ruf begründet?
H.G. Ewers:
Bisher lehnte ich die Antwort auf diese und ähnliche Fragen stets
ab, denn ich habe mich nicht selbst zum "Meister schillernder Figuren"
ernannt. Da Sie aber so hartnäckig fragen, will ich zugeben, daß
ich mir denke, daß ich diesen Namen durch die zahlreichen "schillernden
Figuren" erwarb, die ich bei PERRY RHODAN zum Leben erweckte.
Schillernd bedeutet in diesem Fall wohl soviel wie vielseitig, trickreich,
superfähig, und bei aller eventuellen Andersartigkeit doch so, daß
der Leser sich in sie hineindenken konnte. Eben "wie von Ewers gemacht"
(und das wiederum heißt "nicht als unfehlbar dargestellt").
Cpt. Krause:
Wie ist Ihre Verbindung zu REN DHARK? Sind Sie ein Leser aus der Heftzeit,
oder haben Sie die Serie erst später als Buchausgabe entdeckt?
H.G. Ewers:
Als REN DHARK in der Urzeit erschien, habe ich ein paar Romane gelesen.
Soviel ich mich noch erinnere, fand ich sie spannend und abenteuerlich,
wenn auch nicht an PR heranreichend. Ihr Stil war nicht mein Fall. Kurt
Brand hatte gewiß Phantasie, aber er bekam den "großen
Bogen" nicht raus. Das schaffen die heutigen REN DHARKs auf jeden
Fall besser. Die Art und Weise, wie REN DHARK gemacht wird, hat mich allerdings
fasziniert - soweit ich das auf dem Event in Koblenz mitbekommen habe.
Ich denke, daß ich mich gut einarbeiten werde. Natürlich habe
ich Lampenfieber vor dem ersten Mal, aber nach meiner Auffassung ist das
ein gutes Zeichen ...
Cpt. Krause:
Wo liegt für Sie die Faszination und die Herausforderung bei REN
DHARK?
H.G. Ewers:
Mich reizt das, was anders ist als bei PERRY RHODAN, was keine Wertung
sein soll. Um es mit den Worten eines Kamashiten (was es heißt,
ein Kamashite zu sein, ist nachzulesen im aktuellen Band 2110 der PERRY
RHODAN-Serie "Der gute Geist von Wassermal") zu sagen: Ich habe
einen wunderschönen Garten, in dem ich immer gern arbeiten werde
(Arbeit = Kopfschmerzen, Schweiß, Fluchen. Aber auch Genießen!)
Es reizt mich jetzt, bei der Anlage eines zweiten, völlig anderen
Gartens zu helfen.
Cpt. Krause:
Wann wird es soweit sein? Wann lesen wir etwas von Ihnen bei REN DHARK?
H.G.
Ewers:
Ich schreibe den Roman März/April - und er wird im August 2002 im
DRAKHON-Band 13 erscheinen.
Cpt. Krause:
Was liest eine "Autorenlegende" wie Sie heute zur privaten Entspannung.
Wovon lassen Sie sich verzaubern?
H.G. Ewers:
Die Palette ist groß: angefangen von Fachbüchern über
Physik, Chemie, Mathematik und Biologie über alle mit dem Weltraum
und seiner Erforschung befassten Büchern über philosophische
und medizinische Themen bis zu SF-Romanen und auch allen möglichen
Abenteuer-Romanen. Nur müssen sie spannend und gut geschrieben und
möglichst poesiebehaftet sein. Richtig: im Grunde genommen bin ich
ein Poet und strebe seit einiger Zeit danach, das auch in meinen Romanen
anklingen zu lassen. (Poet im Sinne von Poesie = gefühlsmäßig-ausdrucksvoll).
Cpt. Krause:
Herr Ewers, vielen Dank für das Gespräch.
H.G. Ewers:
Ich bedanke mich für Ihr Interesse, und grüßen Sie bitte
alle Fans von mir.
28. Januar 2002
|
 |