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Früher wurden die PERRY RHODAN-Rißzeichnungen zu Sammelbänden
zusammengefasst, doch heute gibt es fortgeschrittenere Möglichkeiten,
die Technik der Serie zu präsentieren. Soeben
ist die erste multimediale "PERRY RHODAN RZ-Collection" auf
CD-ROM erschienen. Die beiden "Macher", Oliver Johanndrees und
Günter Puschmann von der Firma JPVisualisierung, haben bereits die
Rißzeichnungs-Toolbox (ebenfalls lieferbar) zusammengestellt und
gehören seit vielen Jahren zum PERRY RHODAN-Rißzeichnerteam.
Bei der RZ-Collection haben sie sich nicht einfach damit begnügt,
die Grafiken auf CD-ROM zusammenzufassen. Ein Teil der Zeichnungen liegen
in einer Farbversion vor, und eine Syntronik gibt akustische Informationen
zu den ausgewählten Elementen. Und manche Aggregate lassen sich sogar
frei drehen und zoomen. "Das ist Rißzeichnung zum Anfassen!"
urteilt Georg Joergens in einer ersten Besprechung der RZ-Collection im
aktuellen PERRY RHODAN-Report (Heft 2116). Aus Anlaß des Erscheinens
der Collection sprach Cpt. Krause mit Oliver Johanndrees.
Cpt. Krause:
Herr Johanndrees, SF-Filme und TV-Serien werden durchgestylt und legen
größten Wert auf die Optik. Das "Production Design"
mit seiner futuristischen Erscheinung, und der technischen, funktionalen
Stimmigkeit ist auch aus PERRY RHODAN nicht mehr wegzudenken. Sie erstellen
Rißzeichnungen, Datenblätter und sogar Titelbilder für
die Romanserie. Macht es Spaß, immer auf dem aktuellen Stand des
"Looks" zu bleiben, oder geht der Trend auch schon mal Wege,
die einem als Zeichner nicht gefallen?
Oliver Johanndrees:
Die Frage von Stil und Geschmack hat sich über die letzten zwanzig
Jahre nicht verändert. Damit meine ich, daß es damals wie heute
immer gegensätzliche Meinungen zu "schön" und "hässlich"
geben wird. So sind auch die stilistischen Richtungen innerhalb der Rißzeichnerei
ständigen Diskussionen unterworfen; und nicht nur einmal gab es heftige
(aber faire) Konfrontationen zwischen Zeichnern unterschiedlicher Richtungen.
Was dem einen als Quatsch erscheint, mag dem anderen als geniale Designstudie
gelten. Wichtig ist meines Erachtens die Kreativität, das innovative
Element, das die Science Fiction über all die Jahre ausgezeichnet
hat. Mir selbst fallen auch des öfteren neue Designkonzepte schwer,
vor allem in der Filmbranche, die sich allzu oft in gestalterische Übertreibungen
begibt, um den Anschein des spektakulär Neuen zu erwecken. Nicht
immer ist "abstrus anders" auch wirklich "genial neu".
Ich denke, man muß schon auf dem Boden der SF-Tatsachen bleiben,
um die Akzeptanz der heutigen SF-Generation zu erreichen. So wie es früher
die großen Hebel mit rundem Knauf gab, gasmaskenförmige Helme
und dazu Raketen als Raumschiffe, so sind es heute eben die Hologramme,
Flachbildschirme und Sensorterminals bei der Computereingabe. Der Leser
braucht einen nachvollziehbaren Bezug zu seiner eigenen Realität,
sonst geht die Identifizierungsmöglichkeit für ihn verloren.
Die Rißzeichner sollten das für sich und ihre Zeichnungen berücksichtigen.
Cpt. Krause:
Im Augenblick sind organische Raumschiffe, Computer und Anlagen im Kommen.
Spiegelt sich dieser Zeitgeist bei PERRY RHODAN wieder?
Oliver Johanndrees:
Ja, das ist auf jeden Fall so. Alle vergangenen Zyklen sind massiv von
aktuellen technischen Themen beeinflusst worden. Das fällt gerade
in den Jahren auf, in denen die Autoren von der Schreibmaschine auf den
Computer umgestiegen sind und anschließend dem Romanleser Themen
wie Betriebssysteme, Viren, und dergleichen als SF unterjubelten. Die
Naivität mit der das manchmal vonstatten ging hat mich immer zum
Schmunzeln gebracht.
Die Rißzeichnerei ist davon ebenfalls nicht unbeeinflusst. Organische
Schiffe gab es aber schon vor 20 Jahren, als Leute wie Hans Knößlsdorfer
das Design der klassischen Stoessel-RZ revolutionierten. Später sind
wir dann wieder etwas davon abgekommen.
Cpt. Krause:
Gibt es bei Ihrer Arbeit Vorbilder, an denen Sie sich schon mal orientieren?
Oliver Johanndrees:
Das hat im Laufe der Zeit stark variiert. In erster Linie orientiert man
sich in einer Gruppe natürlich an seinen Kollegen. Da ich von mir
behaupte, immer mit zu den Leuten gehört zu haben, die ständig
neue Dinge ausprobieren, ist ein Vorbild da nur sehr schwer auszumachen.
Eine Zeitlang war es der geniale amerikanische Designer Sid Mead, heute
sind es die Designer der spektakulären Special Effects der SF-Filmbranche,
deren Namen (Oliver Scholl, Patrick Tatopoulos, Peter Lamont) leider kaum
jemand kennt.
Fasziniert aber hat mich immer das wohlgeformte, saubere und in sich stimmige
Design von Herman Zimmerman für die STAR TREK-Serien, deren durchgehendes
Konzept ich an der PR-Serie immer vermisst habe.
Cpt. Krause:
Was würden Sie dem gesuchten Nachwuchs empfehlen, um in die Rißzeichnerei
einzusteigen?
Oliver Johanndrees:
Für
die engagierten Fans ist es wichtig zu wissen, daß man eigentlich
nur den Mut aufbringen muss, mit seinen Zeichnungen an die Öffentlichkeit
zu gehen - also einfach an den Verlag schicken. Das sind alles sehr nette
Menschen, die fressen einen nicht. Genauso lief es bei mir, im Alter von
14 Jahren, als begeisterter Neuleser ab. Ich war, ehrlich gesagt, naiv
genug mein Glück zu versuchen. Und dann gibt es noch das Rißzeichnungs-Journal
(www.RZ-Journal.de). Wir Zeichner helfen vor allem dem Nachwuchs. Da ist
man durchaus in einem betreuten Umfeld und kann sich Tipps und Tricks
bei den "Großen" abschauen.
Cpt. Krause:
Früher gab es großformatige Rißzeichnungsbände zu
PERRY RHODAN, später folgten kleinere Formate. Soll mit der RIßZEICHNUNGS-COLLECTION
CD-ROM nun die Tradition in einem neuen Medium neu aufgegriffen und fortgesetzt
werden?
Oliver Johanndrees:
Auf jeden Fall. So genial und beeindruckend die ersten Bände waren,
so enttäuschend waren aber auch die A4-Versionen. Die Zeiten ändern
sich, warum also nicht der logische Schritt in die "multimediale
Welt"?
Cpt. Krause:
Gibt es in dieser "multimedialen Welt" der CD-ROM futuristisch
gestaltete Bedienoberflächen und Animationen, durch die die Werke
plastischer werden?
Oliver Johanndrees:
Eine
futuristische Benutzeroberfläche ist wohl das MUSS. Sehr schön
anzusehen sind die Aggregate in 3D, (117 Stück um genau zu sein),
die wir explizit aus den RZs "nachgebaut" haben. Frei rotierbar,
skalierbar, mit sehr schönen Texturen, schattiert und in Echtzeit
berechnet.
Dazu die Rißzeichnungen in sehr hoher Auflösung, so daß
man wirklich nah ranzoomen kann. Etliche Zeichnungen sind komplett farbig,
einige ältere Arbeiten wurden neu "re-mastered", wie man
so schön sagt, also aufgearbeitet und teilweise auch farbig angelegt.
Der Fan bekommt also nicht das gleiche, wie in den RZ-Bänden, sondern
durchaus eine echte Verbesserung.
Weiterhin sind Portraits der beteiligten Zeichner vorhanden, ebenso wie
einige Gags und ein ausführliches akustisches (!) Technik-Lexikon
mit 170 Begriffen aus der PR- und RZ-Technik. Gelesen werden muß
nicht mehr viel! (lächelt)
Unter der Hand kann ich bereits jetzt andeuten, dass wir an einem Projekt
arbeiten, das es später ermöglichen soll, einen Kugelraumer
interaktiv und "von innen" zu erleben, ähnlich den bekannten
Ego-Shootern. Die Wiedererkennung der PR-Technik ist dabei entscheidend.
Bis es aber soweit ist, wird wohl noch etwas Zeit ins Land gehen, da dies
wirklich mit ziemlichem Aufwand verbunden ist. Ein kleiner "Testlevel"
existiert aber schon ...
Cpt. Krause:
Was ist mit den früheren Werken von Stoessel, Thaler und Zengerle
aus den Jugendjahren der PR-Rißzeichnungen? Werden diese Werke später
auch auf einer CD-ROM veröffentlicht, oder beschränken Sie sich
mit Ihrer Firma JPVisualisierung auf die "Gegenwart" und "Zukunft"
von PERRY RHODAN?
Oliver Johanndrees:
Das ganze hat in erster Linie rechtliche und finanzielle Gründe.
Verständlicherweise geben die Zeichner ihre Arbeiten ja nicht kostenlos
aus der Hand. Auch VPM tut das nur gegen Lizenzen. Aus diesem Grund haben
wir darauf verzichtet, an die ersten beiden Zeichner-Generationen heranzutreten.
Aber vielleicht tun wir das noch ...
Ansonsten haben wir versucht, nicht die ganz alten Zeichnungen zu bringen,
weil die schon tausendmal gezeigt wurden. Die ganz aktuellen Arbeiten
liegen gerade erst kurze Zeit zurück. Also haben wir versucht, Zeichnungen
zu nehmen, die auch schon etwas in Vergessenheit geraten sind. Beim Rest
(einem Großteil) hatte die Veröffentlichung einer vorhandenen
Farbversion Priorität, die dem Leser durch den SW-Abdruck bei PR
bisher verwehrt blieb. Wir wollten, wie gesagt, mit der RZ-Collection
auch einen "Mehrwert" an die Fans weitergeben!
Cpt. Krause:
Was sind zukünftige Projekte Ihrer Firma?
Oliver Johanndrees:
Es gibt einige Projekte, die bereits in der Schublade liegen. Wenn die
RZ-Collection erfolgreich laufen wird (und alles sieht im Vorfeld danach
aus), wird es mit Sicherheit mindestens eine weitere Fortsetzung davon
geben.
Ansonsten layouten wir ja auch noch die Magazine "SOL" und "phantastisch!",
sowie auch Aufträge, die nichts mit SF und PERRY RHODAN zu tun haben.
Cpt. Krause:
Herr Johanndrees, vielen Dank für das Gespräch.
Weitere
Infos.
19. März 2002
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