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Als
ein gewaltiger Komet die Erde trifft, ist dies das Ende der Zivilisation.
Der Pilot Matthew Drax wird dabei durch ein Zeitloch weit in die Zukunft
geschleudert und findet sich in einer veränderten Welt wieder, wo
Barbaren und Mutationen herrschen und in der unsere Zeit nur noch Legende
ist. Die Bewohner der zukünftigen Erde nennen den Mann aus der Vergangenheit
Maddrax...
Bis heute erschienen fast 60 Heftromane der SF-Serie MADDRAX
und es ist kein Ende in Sicht. Ganz im Gegenteil: Zwei weitere Romane
im Hardcover, zwei Sammelbände im Taschenbuch und ein "Soundtrack"
auf CD liegen schon vor. Die Buchreihe soll ab Herbst regelmäßig
alle drei Monate erscheinen und ein aufwendiges Computerspiel wird bereits
entwickelt. Cpt. Krause sprach mit Jo Zybell, dem Autor der Hefte 1 und
50 sowie der ersten drei Hardcover.
Cpt. Krause:
Herr Zybell, die Romanserie MADDRAX feierte in jüngster Vergangenheit
das Erscheinen des 50. Bandes und das zweijährige Bestehen. Dafür,
daß Matthew Drax alias Maddrax eine eher düstere Welt durchschreitet,
sieht es ziemlich rosig für ihn aus. Was denken Sie, worin liegt
der Erfolg?
Jo Zybell:
An
dreierlei: Einmal an der guten Geschichte. Eine gute Geschichte zudem,
die wegen des Millenniums gewissermaßen in der Luft lag.
Dann wird MADDRAX von einem sehr umtriebigen und ungewöhnlich engagierten
Lektor betreut. Ich spreche von Mad Mike alias Michael Schönenbröcher.
Er hat die Serie bereits im Sommer 1999 beworben und zu dieser Zeit ein
Internet-Forum eröffnet, in dem die Fans schon ein halbes Jahr vor
dem Pilot-Roman über MADDRAX diskutierten. Als der erste Band dann
am 8. Februar erschien, war das ein bisschen wie Bescherung.
Und drittens: An den guten Autoren, und zwar nicht zuletzt. Mike hat es
geschafft, ein Autorenteam aus Menschen zusammenzutrommeln, die ihre Geschichten
nicht einfach nur routiniert aus dem Ärmel schütteln, sondern
- ich drücke es mal ein wenig pathetisch aus - mit Herzblut bei der
Sache sind.
Cpt. Krause:
Die Serie wird von mehreren Autoren geschrieben. Doch wer hatte die Idee
und verfasst die Exposés?
Jo Zybell:
Die
Grundidee und das Serien-Exposé stammen von Michael "Mad Mike"
Schönenbröcher. Er ist gewissermaßen der Vater und die
Chefhebamme der Serie. Die Exposés zu den beiden Pilotromanen haben
er und ich in seinem Büro in Bergisch Gladbach ausgebrütet.
Das war ein wirklich guter Tag. Seitdem läuft es so, daß wir
Autoren und Mike die grobe Storyline telefonisch, per Email oder in Arbeitstreffen
vereinbaren, und der einzelne Autor dann ein Exposé zu seinem jeweiligen
Roman abliefert. Mike macht dann Veränderungsvorschläge und
würzt die Story häufig noch mit seinen eigenen Ideen.
Cpt. Krause:
War Ihr Jubiläums-Zweiteiler (Heft 50/51) eher ein Einstiegsband
oder ein weiterer Höhepunkt der Serie?
Jo Zybell:
Alles trifft zu: Ein weiterer Höhepunkt als "Dankeschön"
an unsere Leser, aber auch eine Geschichte für Einsteiger. Daß
mir dieser Kompromiß gelungen ist, freut mich besonders. Wir haben
von Anfang an darauf geachtet, daß MADDRAX sich nicht in einem Mysterien-Labyrinth
verläuft, das früher oder später nur noch einem exklusiven
Fanzirkel zugänglich ist. Die ersten 50 MADDRAX-Bände sind zum
größten Teil Einzelgeschichten, in denen aber schon bald zu
Beginn ein roter Faden entwickelt und in verschiedenen Bänden weitergesponnen
wurde. Dazwischen gab es immer wieder Bände, die den "Urknall"
der Serie - der Einschlag des Kometen "Christopher-Floyd" -
aus den Perspektiven verschiedener Figuren beschreiben. So auch im Jubiläums-Doppelband:
Der Neuleser erlebt die Katastrophe durch die Augen eines ISS-Astronauten,
der MADDRAX-Fan begegnet Figuren, die ihm bereits aus früheren Bänden
vertraut sind, gleichzeitig stellt die Geschichte eine wichtige Weiche
für die nächsten fünfzig Bände, und der Leser sieht
den roten Faden in eine Richtung weiterlaufen.
Cpt. Krause:
Heißt das, daß nun seit Band 50 der rote Faden stärker
wird, also der Anteil der Einzelromane zu Gunsten einer heftübergreifenden
Handlung abnimmt?
Jo Zybell:
Der Doppelband, vor allem Band 51, gibt dem roten Faden lediglich eine
neue und nicht ganz unerwartete Richtung. Im Grunde wird er zunächst
nicht viel deutlicher als in den ersten knapp 30 Romanen, wo Drax seine
versprengte Crew suchte und sich danach auf den Weg nach Meraaka machte.
Abgesehen von den beiden Pilotromanen und einem oder zwei Zweiteilern
haben wir das alles in Einzelromanen erzählt, ohne dabei den roten
Faden aus den Augen zu verlieren. So werden wir es auch in Zukunft halten.
Denn - ich sag's mal in einem Bild - niemand, der den MADDRAX-Kosmos zum
ersten Mal betreten will, soll vor verschlossenen Türen stehen.
Cpt. Krause:
Warum erschien "Genesis" erst jetzt und nicht wie geplant im
Dezember?
Jo Zybell:
Es
lag einzig und allein am Autor. Hinter mir liegt ein chaotisches Jahr,
und ich musste krankheitsbedingt leider meinen guten Ruf als pünktlich
liefernder Autor ruinieren. Zur Entschädigung bekommen die Leser
aber eine besondere Geschichte.
Das zweite Hardcover "Genesis" erzählt in einer Art Familiensaga
die Zeit nach dem Kometeneinschlag. Die erzählte Zeit umfasst dabei
mehrere Jahrhunderte. Gleichzeitig hat die Story einen konkreten Bezug
zur Serienzeit.
Cpt. Krause:
Die zeitliche Lücke zwischen der Entdeckung des Kometen und dem Serienbeginn
wurde mit den beiden Büchern "Apokalypse" und "Genesis"
geschlossen. Im Oktober wird die Hardcoverreihe fortgesetzt. Was können
Sie uns dazu verraten? Spielen die Geschichten zur aktuellen Handlungszeit,
oder sind die Bücher auch für Leser gedacht, die MADDRAX erst
jetzt mit den Taschenbuchausgaben entdecken?
Jo Zybell:
Zu
"Apokalypse" und "Genesis": Der Reiz dieser beiden
Bände besteht ja - jedenfalls nach meinem Geschmack - gerade darin,
Schicksale und Ereignisse während der postapokalyptischen Jahrhunderte
vor der Serienzeit zu schildern.
Was die neuen Bücher betrifft, so wird die Reihe zunächst mal
Nebenfiguren die Bühne freimachen, die irgendwann in der jungen Serie
auftauchten. Und zwar ungefähr im Rahmen der Serienchronologie.
Cpt. Krause:
Wie man in Ihrem Porträt in Band 50 lesen konnte, waren Sie einmal
auf dem Dortmunder Hauptfriedhof beschäftigt ...
Jo Zybell:
Nein, ich war nicht als Leichenwäscher, Totengräber, Direktor
oder sonst was auf dem Dortmunder Hauptfriedhof angestellt. Ja, ich habe
dort gearbeitet. Und zwar zwischen 1996 und 1998. Damals fing ich gerade
an, in größerem Stil für Bastei-Lübbe zu schreiben
und wollte mich gleichzeitig als eine Art freischaffender Pfarrer selbstständig
machen. Zwei Jahre lang habe ich Trauerreden für Menschen geschrieben
und gehalten, die keiner Kirche angehörten oder sich mit ihrem Pastor
zerstritten hatten. Eine schöne Arbeit war das: Ich kam in viele
Häuser und lernte in den Gesprächen mit Hinterbliebenen viele
Schicksale kennen. Als dann mein viertes Kind geboren wurde und ich mehr
und mehr Schreibaufträge bekam, entschloss ich mich, ganz vom Schreiben
zu leben.
Wie ich zum Schreiben kam? Nun ja - etwa zwanzig Prozent aller Jugendlichen
fangen angeblich während der Pubertät damit an, ihrem Herzen
in Gedichten, Songs, Geschichten oder Tagebucheinträgen Luft zu machen.
Und ich gehörte halt zu jenen angeblich zwei Prozent, die dabei bleiben.
Eigentlich habe ich mein Leben lang irgendetwas geschrieben: Gedichte,
Storys, Theaterstücke für Kinder, Predigten und so weiter. Die
theoretische Auseinandersetzung mit dem Handwerk bleibt dann nicht aus.
Und wenn man einen Weg, den man liebt, nicht verlässt, kommt man
zwangsläufig an irgendein Ziel. Irgendwann schrieb ich dann Geschichten
und Verse für Geburtstags- oder Weihnachtsfeiern, irgendwann für
eine Zeitung, und eines Tages hielt der Rowohlt Verlag eine Geschichte,
zu der mich ein Kindergeburtstag anregte, für druckreif. Tja, so
geht das. Zu Bastei-Lübbe kam ich mehr aus Jux und Dollerei. Meine
Freundin wollte unbedingt mal einen richtig kitschigen Arztroman schreiben.
Dann haben wir uns halt einen gekauft, ihn gelesen, und als wir wußten,
wie das ungefähr funktioniert, auch gleich einen geschrieben und
weitergemacht. Zwei Jahre später landete ein Western-Manuskript von
mir auf Mikes Schreibtisch, und in seiner grenzenlosen Weisheit beschloß
er nach der Redaktion, mich für MADDRAX zu rekrutieren.
Cpt. Krause:
Hat Sie das Phantastik-Genre nun in seinen Bann gezogen? Oder fühlen
Sie sich in allen Genres heimisch und verbinden diese gerne?
Jo Zybell:
Au weia! Jetzt soll ich mich auch noch selbst in eine Schublade stecken.
Ich versuch's mal so: Ich erzähle gerne Geschichten von Menschen,
die in ungewöhnliche, ja schreckliche Situationen geraten. Situationen,
in denen sie an ihre Grenzen stoßen und untergehen oder über
sich selbst hinaus wachsen. Ich mag es auch, wenn diese Menschen sich
in einer ungewöhnlichen Welt bewähren müssen oder an ihr
scheitern - von mir aus in einer fantastischen oder zukünftigen Welt.
Mehr kann ich im Augenblick nicht sagen - man soll selbst sehen, in welche
Schublade das paßt.
Cpt. Krause:
Herr Zybell, vielen Dank für das Gespräch.
8. Mai 2002
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