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"Perry Rhodan"-Leser
kennen H. G. Francis durch seine Arbeit an der größten SF-Serie
der Welt: seit 1971 schrieb er über 200 Heftromane. Doch Francis ist
noch weit vielseitiger. Er entwickelte eigene Serien, und ist ein erfolgreicher
Hörspiel- und Jugendbuchautor. Cpt. Krause sprach mit H. G. Francis
über drei aktuelle Science Fiction-Projekte: die Neuauflage der Serie
"Rex Corda", die neuen Hörspielabenteuer von "Commander
Perkins" und die Reihe "Gold Edition der besten SF-Autoren".
HJB News:
Herr
Francis, heute wird "Rex Corda" im Paperback-Format neu aufgelegt.
Wie entstand die Serie in den sechziger Jahren? Beflügelte Sie der
Erfolg von "Perry Rhodan"?
H. G. Francis:
Der Erfolg von "Perry Rhodan" forderte natürlich die anderen
Verlage heraus. Daher trat der Bastei-Verlag an mich heran und bat mich,
eine große Serie zu entwerfen. Genau das habe ich getan. Der Bastei-Verlag
orientierte sich an "Perry Rhodan" und wollte eine Serie, die
möglichst lange läuft. Leider machte der Verlag von Anfang an
einen Fehler: Mit Blick auf "Perry Rhodan" startete er mit einer
Auflage von 100.000 Heften pro Woche. Das war eindeutig zu viel. Auch
"Perry Rhodan" hat ja mit Heft 1 nicht mit einer solchen Auflage
angefangen. Es wurden nur etwa 30.000 bis 40.000 Hefte pro Folge verkauft.
Die Remittenten stapelten sich beim Verlag. Doch man ging noch immer nicht
zu einer bescheideneren Auflage über, bis der Berg der Remittenten
einfach zu hoch wurde...
HJB News:
Es wird behauptet, im Anschluß an eine "Ren Dhark"-Autorenkonferenz
hätten Sie und Manfred Wegener sich zusammengesetzt und "Rex
Corda" entworfen.
H. G. Francis:
Es war ganz anders. Die Idee wurde vom Bastei-Verlag über Wolfgang
M. Biehler an mich herangetragen. Daraufhin setzten sich R. P. Mielke,
Rolf Liersch und ich uns zusammen und entwickelten die Idee, wobei mir
die Hauptverantwortung zugetragen wurde. Wir wollten den großen
Wurf mit einer lang angelegten Story, die zunächst einmal mit viel
Action beginnen sollte, um dann die einzelnen, weit in die Zukunft führenden
Handlungsstränge auszubauen und zu einem spannenden Gesamtbild zu
verflechten.
Mein Freund Manfred M. Wegener hatte mit der Entwicklung der Geschichte
überhaupt nichts zu tun. Er war in der Anfangsphase auch gar nicht
dabei. Er war damals jedoch - neben dem Team der "Perry Rhodan"-Autoren
- einer der besten deutschen SF-Autoren. Und da ich ihn nicht nur gut
kannte, sondern auch mit ihm befreundet war, habe ich ihn bekniet, bei
der Serie mitzuschreiben. Dazu ist es dann ja auch gekommen.
HJB News:
Zum Schluß zeigte "Rex Corda" Schwächen im Serienaufbau
und sprang geradezu durch die Handlung. Wurde der Aufwand für eine
durchkonstruierte Serie zu groß, oder war das Ende schon abzusehen?
H. G. Francis :
Angesichts der viel zu hohen Druckauflage, die nicht annähernd mit
der verkauften Auflage übereinstimmte, war das Ende abzusehen. Das
traf jedoch nicht auf uns Autoren und besonders nicht auf mich zu. Ich
habe täglich mit dem damaligen Chefredakteur von Bastei, Herrn Jaeckel,
telefoniert und von ihm immer nur positive, ja, begeisterte Kommentare
zu "Rex Corda" gehört.
An dem Tag, an dem Herr Jaeckel mir mitteilte, daß die Serie eingestellt
werden würde, haben wir zweimal miteinander telefoniert. Morgens
betonte er mehrfach, die Serie würde weitergeführt, zumal die
verkaufte Auflage langsam ansteige.
Einige Stunden später rief er mich erneut an, um mir mitzuteilen,
daß der Verlag beschlossen hatte, die Serie einzustellen. Der Berg
der Remittenten war zu hoch geworden, und nun half auch eine steigende
Verkaufsauflage nicht mehr.
Die Serie sollte jedoch ein Ende haben. Und da liegt der Hase im Pfeffer.
Die Idee "Rex Corda" war breit angelegt. Es sollte eine große
Story mit vielen Handlungssträngen und Komplikationen werden - und
nun durfte ich nicht einen einzigen dieser Handlungsstränge zu Ende
führen. Ich erhielt den Auftrag, die Serie buchstäblich mit
der Brechstange in zwei Folgen zu Ende zu bringen. Das habe ich getan.
Es ging nicht anders.
HJB
News:
1976 schrieben Sie die "Drehbücher" zur SF-Hörspielreihe
"Commander Perkins".
H. G. Francis:
Franz Schneider vom Franz Schneider Verlag in München bat mich, eine
SF-Serie für ihn zu entwerfen und zu schreiben. Das habe ich getan
und dabei den "Dimensionsbrecher" entwickelt, der heute in einer
TV-Serie unter einem anderen Namen fleißig ausgeschlachtet wird...
Als sich ein großer Erfolg der Buchserie abzeichnete, schaltete
sich EUROPA ein und bat mich, eine Hörspielserie zu entwickeln. Dabei
bestand man aber darauf, daß nicht die gleichen Handlungen wie in
den Büchern verwendet, sondern für jede Folge eine neue Handlung
aufgebaut wurde. Auch hier war geplant, weit in die Zukunft führende
Handlungsstränge zu entwickeln. Und dann kam es wie bei Bastei. Sowohl
der Franz Schneider Verlag als euch EUROPA waren von außerordentlich
hohen Auflagen verwöhnt. "Commander Perkins" erzielte auf
beiden Ebenen Verkaufs-Auflagen, die heute als sensationell eingestuft
werden würden. Damals war's den Verlagen nicht gut genug. Man richtete
seine Konzepte ausschließlich kommerziell aus und wollte neue, andere
Serien aufbauen, mit denen man hoffte, noch höhere Auflagen zu erzielen.
Eine Rechnung übrigens, die nicht aufging.
HJB News:
Nachdem
die Hörspielreihe "Commander Perkins" neu aufgelegt wurde,
erscheinen seit 2001 neue Abenteuer unter dem Titel "Das Sternentor".
Die neue Reihe vertont die Jugendbuchserie, also den Vorläufer. Was
war das für ein Gefühl, wenn man nach so vielen Jahren endlich
weitermachen darf?
H. G. Francis:
Ich hoffe, die Serie weiterentwickeln zu können, um den Fans von
damals und heute zu zeigen, was eigentlich langfristig beabsichtigt war,
und welch schöne Ideen sich noch immer im Köcher befinden. Ich
hoffe sehr, daß es dieses Mal dazu kommt und daß hohe Auflagen
eine Fortführung erlauben.
HJB News:
Seit
diesem Jahr erscheinen in der Reihe "Gold Edition der besten SF-Autoren"
Science Fiction-Romane aus den fünfziger und sechziger Jahren. Sie
haben die Reihe initiiert. Welche Idee steht hinter der Reihe?
H. G. Francis:
In den fünfziger und sechziger Jahren gab es Heftroman-Serien, die
allerbeste SF herausbrachten. Damals haben auch viele deutsche Autoren
Romane von überdurchschnittlicher Qualität geschrieben. Wohlgemerkt,
ich rede nicht von "Perry Rhodan", "Atlan", "Ren
Dhark", "Rex Corda" oder anderen, sondern von Einzelromanen
und voneinander völlig unabhängigen Erzählungen. Heute
weiß kaum noch ein Leser von diesen SF-Schätzen. Ich möchte
einige dieser Schätze gerne heben und in Taschenbuchform herausbringen.
Dabei sollen mindestens jeweils zwei Hefte zu einem TB zusammengefaßt
werden. Die beiden ersten Taschenbücher sind erschienen. Um Kosten
zu sparen (Honorar!) habe ich meine eigenen Erzählungen gewählt
und dabei die überarbeiteten Romane vom kosmischen Entwicklungshelfer
Jack Norton veröffentlicht. Dabei geht es um humorvolle Geschichten
eines jungen Terraners, der von einer Katastrophe in die andere stolpert,
um am Ende doch als Sieger dazustehen.
Als ich diese Reihe anging, mußte ich zunächst einmal lernen,
welch gefährliche Fallen die deutsche Bürokratie mittlerweile
aufgebaut hat. In sie hinein zu tappen bedeutet, in eine Kostenfalle zu
geraten. Um das Risiko in Grenzen zu halten, können wir nur mit kleinen
Auflagen starten. Das bedeutet leider, daß die Kosten pro Buch recht
hoch sind. Sollte sich abzeichnen, daß eine höhere Auflage
möglich ist, werden die Preise für die Taschenbücher drastisch
gesenkt.
HJB News:
Auf welche Romane können wir uns freuen? Erscheint Ihr "Terra
Astra"-Zyklus um Chet Morrow oder gar Ihr Roman "Vom fünften
Hundert"?
H. G. Francis:
Die ersten beiden Bände enthalten die Romane "Sendbote der Erde",
"Terras Mann auf Hloga", "Spezialisten für Essta-4"
und "Der Held des Imperiums". Weitere Folgen werden Werke von
Ernst Vlcek, Hubert Haensel und Wolfgang Kehl enthalten. Sie sind in Vorbereitung.
HJB News:
Herr Francis, vor kurzem wurde Ihr zweihundertster "Perry Rhodan"-Roman
veröffentlicht, und Sie stecken noch voller Energie. Ist an einen
wohlverdienten Ruhestand noch lange nicht zu denken?
H. G. Francis:
Ich hoffe, noch lange nicht. Geschichten schreiben ist ja nicht in erster
Linie Gelderwerb für mich, sondern Freude und Leidenschaft. Es zieht
mich auch noch heute immer wieder in mein Büro, mein Kopf ist voller
Ideen für neue Projekte, und ich sehe keinen Grund aufzuhören.
Im Gegenteil. Jetzt da ich weitaus weniger Projekte als früher angehe,
sondern mir in aller Ruhe das aussuchen kann, was ich am liebsten mache,
ist das Schreiben noch viel interessanter geworden.
In vielen Jahren war es ja so, daß ich mit Aufträgen förmlich
eingedeckt wurde, so daß ich stets einen kleinen Berg von unerledigten
Projekten vor mir her schob.
Vor allem bei den Hörspielen kam es immer wieder vor, daß mich
Studio und Regie überraschend (sogar zu Weihnachten) anriefen und
mir mitteilten, daß man diesen oder jenen Sprecher für den
kommenden Tag engagieren könne, und daß man dazu unbedingt
Stoff benötige. Ob ich, bitte sehr, nicht rasch ein Hörspiel
schreiben könne, oder doch wenigstens einige Szenen, damit der Sprecher
ausreichend beschäftigt sei. Bei diesen Sprechern ging es immerhin
um die Elite der deutschen Schauspieler, jene Spitzenstars, die perfekt
ausgebildete Stimmen hatten und bei denen das ständige Nuscheln und
Silben-Verschlucken, wie man es heute tagtäglich im Fernsehen erlebt,
nicht vorkam. Also ging ich auch nachts an die Schreibmaschine und schrieb...
Das gibt es heute zum Glück nicht mehr - wobei zu bedauern ist, daß
die wirklich guten Stimmen so selten geworden sind und von den Produzenten
nicht ihrem Wert entsprechend gewürdigt und eingesetzt werden.
HJB News:
Juckt es Ihnen in den Fingern, weitere "Commander Perkins"-
oder "Rex Corda"-Geschichten zu schreiben ?
H. G. Francis:
Natürlich. Und wie. Ich fühle mich meinen Lesern und Hörern
verpflichtet, die wissen möchten, was hinter den Geheimnissen steckt,
die in den Serien noch nicht offen gelegt wurden.
HJB News:
Herr Francis, vielen Dank für das Gespräch.
Weitere Infos zur
"Rex Corda"-Buchausgabe.
Weitere Infos zu den
neuen "Commander Perkins"-Hörspielen.
6. Mai 2003
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