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Frederic Thom interviewt Lanz Martell zu seinem Werk 'Die Epoche der Bestien'
Als Vorbereitung zu diesem Interview habe ich mir die im Internet verfügbaren Rezensionen zu Ihrem Werk angesehen. Es sind bislang ausnahmslos extrem positive Stellungnahmen zu finden: "Gleich einem Scharfschützen nimmt der Autor die gegenwärtig herrschende Dekadenz aufs Korn und trifft diese mit messerscharfer Zunge." – "Dieses Buch ist ein echtes Meisterwerk, jeder Satz ist ein Volltreffer." – "'Die Epoche der Bestien' (ist) eine Blasphemie wider den Zeitgeist." – "Es macht einfach Spaß zu lesen, wie Martell die Eitelkeiten der herrschenden Pseudoelite respektlos bloßlegt." – "In bester Tradition Nietzsches." – "Dieses Buch wird aufgrund seines Inhaltes als ein Meilenstein in die Literaturgeschichte eingehen." – "Die 'Epoche der Bestien' ist ein zeitgenössisches '1984'!". Was sagen Sie über so viele Lorbeeren, die Ihrem Erstlingswerk zuteil werden?
Lanz Martell: Wahrscheinlich wird mein Erstlingswerk derart euphorisch angenommen, weil es eine ungewohnt bizarre Odyssee durch ein Unterdrückersystem bietet, das erst durch Gutmenschenwahnsinn ermöglicht wurde. Die Schilderungen des täglichen Wahnsinns in einem solchen System der "Diktatur der Humanität", in dem die Machthaber zum Beispiel jedwede Form des Rassismus dadurch überwinden wollen, indem sie die menschliche Rasse durch zwangsweise Vermischung mit Affen abschaffen, sind ziemlich krass. Anscheinend treffe ich assoziativ mit meinen in der Ich-Form vorgetragenen und durch fiktive Zeitungsausschnitte unterlegten Erzählungen so einige Nerven...
Auch sind Buchaufbau und Gestaltung des Seitenlayouts ungewöhnlich. Es ist diese kombinierte, diese neue Version der Darstellung, die die Leser bewegt. Und diese Leser sind der Interessengruppe der Liebhaber anspruchsvollerer dystopischer Romane zuzuordnen, die anscheinend radikalen Stilbrüchen gegenüber sehr offen sind. Ich könnte noch ein paar klug konstruierte Sätze von mir geben; in Wahrheit hat mich die Resonanz, die sich auch in Briefen an den Verlag niederschlägt, überrascht.
Warum wählten Sie UNITALL als Verlag für Ihr Buch? Wie hat der Verlag auf das Manuskript reagiert?
Lanz Martell: Durch 'Stahlfront' auf den Verlag aufmerksam geworden, ergab sich bereits vor zwei Jahren ein Kontakt zum Verlag. Mittlerweile habe ich einige Arbeiten für den Verlag erledigt, von denen die Zusammenarbeit mit Heinrich von Stahl an der Serie 'Kaiserfront 1949' bekannt geworden ist. – Als ich mit der 'Epoche' begann, hatte ich das grundsätzliche Interesse des Verlages auf meiner Seite. Das fertige Manuskript fand nicht bei allen federführend im Verlag Tätigen die volle Zustimmung. Ausschlaggebend ist natürlich die Entscheidung des Geschäftsführers gewesen, der die 'Epoche' durch alle Produktionsprozesse begleitet hat und schlussendlich sogar noch sechs aufwendige Innenillustrationen spendierte. Entscheidend ist sicher, dass Herr Bernt sich nicht gerade dadurch einen Namen macht, dass er sich für die Be- und Empfindlichkeiten der herrschenden "political correctness" interessiert, sondern polarisierende Stoffe für sein Verlagsprogramm sucht.
Man kann jedem Satz Ihres Buches entnehmen, dass Sie es mit großer Leidenschaft geschrieben haben. Gab es einen oder mehrere Auslöser dafür?
Lanz Martell: Die Auslöser unseres Tuns sind neben der genetischen Bestimmung natürlich die Erlebnisse, die wir haben. Die Bilder unserer "Um-Welt". Und diese Umwelt liefert erschreckende gleichwie köstlich-wahnsinnige Vorlagen für jedwede künstlerische Betätigung...
Woher stammen Ihre Ideen zur 'Sandy-Mandy-Welt', der "BRD-Reality-Show"?
Lanz Martell: Nun, da sie mir sowieso keiner glauben wird, kann ich an dieser Stelle auch einfach die Wahrheit sagen: Diese Ideen sind weniger Ideen als vielmehr erlebte Realität. Meine Besuche in einer mittelgroßen deutschen Stadt, in deren direkter Nähe ich wohne, haben zu immer kurioseren Erlebnissen geführt, die zusammengefasst in der 'Sandy-Mandy-Welt' ein treffendes Spiegelbild unserer Hochkulturgesellschaft abgeben. Faszinierend und erschreckend ist dabei, wie sich Realität innerhalb weniger Jahrzehnte drastisch verändern kann – durch Abschaffung der Normalität.
Sie sprechen über die "Gottwerdung des Menschen". Sind Sie religiös?
Lanz Martell: Nicht im herkömmlichen Sinne. Wissenschaft und Religion müssen sich aber nicht widersprechen, wenn die wissenschaftliche Erklärung für die Überlieferungen alter Geschichte gegeben werden kann. Ich glaube zum Beispiel daran, dass es vor Jahrtausenden eine gemeinsame Urkultur gegeben hat, die sich kulturschöpferisch betätigte. Daher finden sich auch in allen Religionen sehr ähnliche Versatzstücke wieder, die keinen anderen Schluss zulassen. Es stellt sich die Frage nach der allgemeingültigen Formel für den Untergang dieser dezentralisierten Kulturen.
Im wesentlichen glaube ich an die Weiterentwicklung des Menschen, der die Wissenschaft vorantreibt und sich die Natur mittels Technik untertan macht und verändert.
Planen Sie weitere Projekte in der Art der 'Epoche'?
Lanz Martell: Aufgrund der Veröffentlichung der 'Epoche' haben sich Kontakte zu Lesern ergeben, die mir aufgezeigt haben, dass mit der 'Epoche' anscheinend noch nicht alle aus der Lektüre entstehenden Fragen beantwortet sind. Es fehlt also der Report aus der Zeit nach Nelson, den ich mit 'Praetorian 21' im nächsten Jahr vorlegen will. Natürlich werde ich mittels eines kleinen Kunstgriffs noch einmal Nelsons Zeit streifen und mich in einem anderen Teil von 'Praetorian 21' mit den philosophischen Grundlagen der neuen Gesellschaft beschäftigen; es gilt zu konkretisieren, weshalb möglicherweise ‚Demokratie‘ als solche nicht existieren kann und wie das frühere (Nelsons Zeit) und das künftige System (Zeit nach Nelson) zu betrachten sind bzw. wie sie sich essentiell selbst betrachten. Und es ist sehr reizvoll, in der Ich-Form erzählend in eine solche neue Welt einzutauchen, die sich selbst reflektiert aus einer erfundenen Vergangenheit, eben der 'Epoche der Bestien'. Eine Vision entwickelt wohl auch in gewissem Umfang ein Eigenleben...
Zudem will ich die Möglichkeiten der kunstvollen Gestaltung des Innenlebens eines Buches noch weiter vorantreiben, was die Erstellung von 'Praetorian 21' für den Verlag nicht preiswerter gestalten wird, aber ich habe bei UNITALL alle Unterstützung gefunden, die ich mir nur wünschen konnte.
'Die Epoche der Bestien' im HJB-Shop:
http://www.hjb-shop.de/verbotene-zone/bestien.htm
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