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HJB News - Nr. 11/2009
30. Oktober 2009

 

"ALDEBARAN ist imperiale Science Fiction." (HJB)

Heinrich von Stahl
Der Autor der neuen Unitall-Serie ALDEBARAN im Interview

 

Lanz Martell:
Wie kam Ihr Kontakt zum Unitall-Verlag zustande? Oder anders gefragt, warum erscheint Ihr Buch bei Unitall und nicht z.B. bei Heyne?

Heinrich von Stahl:
Die Geschichte, die ich zu erzählen habe, beleuchtet besonders die westliche Gesellschaft aus einem anderen Blickwinkel, als es die Massenmedien tun. Große Verlage, wie der von Ihnen genannte, sind ohne Ausnahme sogenannte "Profit-Center" globaler Medienkonzerne. Letztere sind jedoch offensichtlich an der Aufrechterhaltung des Bildes, das die Bevölkerung von der Gesellschaft hat, in hohem Maße interessiert. Aus diesem Grunde suchte ich nach einem Verlag, der auch andere Blickwinkel als die in beispielloser Eintracht von den Massenmedien verbreiteten zuläßt.
Folglich "googelte" ich, ganz profan, nach Science Fiction-Romanen, die das Thema "Flugscheiben" behandeln, weil letztere erstens in meinen Romanen vorkommen und weil zweitens das Thema heikle, in den großen Verlagen unerwünschte Diskussionen hervorruft. So stieß ich auf die Serie STAHLFRONT, besorgte mir die Bände und – war begeistert. Bei so viel Frechheit gegen das partei- und medienübergreifend propagierte Weltbild konnte ich mir nicht vorstellen, daß dem Verlag mein Roman zu heiß sein würde, zumal ALDEBARAN eine Space-Opera ist, in der die Erde "hineingezogen" wird und STAHLFRONT eine terrazentrische satirisch-zynische Gesellschaftskritik, die von erstaunlich wenigen Menschen begriffen wird.
Vor diesem Hintergrund nahm ich Kontakt mit dem Verlag auf. Schon nach den ersten Gesprächen stellte ich fest, ein Umfeld vorgefunden zu haben, in dem ich mich wohl fühle.

Lanz Martell:
Sie sprechen STAHLFRONT an, die wohl umstrittenste SF-Serie, die vorstellbar ist. Warum schreckten Sie die Negativschlagzeilen, mit denen jene Romanserie behaftet ist, nicht ab? Haben Sie keine Befürchtungen, daß Ihre Serie bei den SF-Lesern, die STAHLFRONT ablehnen, von vornherein keine Chance hat?

Heinrich von Stahl:
Es gibt sicherlich Leser, die zwar STAHLFRONT ablehnen, ALDEBARAN jedoch mögen werden, besonders unter Freunden von Space-Operas. Unter diesen Lesern sind natürlich Leute, die wegen der Veröffentlichung von STAHLFRONT von vornherein alles ablehnen, was der Unitall-Verlag publiziert. Genau für diese Leute ist ALDEBARAN nicht geschrieben. Wer in Dogmatismus gefangen ist, wird ALDEBARAN, vorsichtig ausgedrückt, als nicht "zeitgeistkonform" empfinden. Lassen Sie mich diesen Punkt näher erläutern:
ALDEBARAN transportiert den Geist der ersten drei- oder vierhundert PERRY RHODAN-Hefte in einen für den naturwissenschaftlich interessierten Leser schlüssigeren, mit den modernen Erkenntnissen über die Naturgesetze nicht im Widerspruch stehenden Handlungsrahmen. Als die PERRY-Hefte in den Sechzigern erschienen, wäre kein Mensch auf die Idee gekommen, die Serie als "politisch rechts" zu bezeichnen. Durch einen irrationalen Wandel des Zeitgeistes, begleitet von einer pathologischen Phobie überall etwas "Rechtes" zu erkennen, durften wir dann im Jahre 2006 in den Hochgenuss einer intellektuellen Meisterleistung des STERN kommen, der PERRY RHODAN übelstes Nazi-Gedankengut unterstellte. Wer die ersten PERRY-Hefte gelesen hat, erkennt sofort, wie unglaublich schlecht recherchiert dieser STERN-Artikel ist und wie plump die Handlung verdreht wird.
Wer also "Handgranaten-Herberts Phantasmagorien" vermißt und damit leben kann, daß seine Lektüre von der geistigen Elite unserer Gesellschaft als nicht "stubenrein" bezeichnet wird (interessant, daß ein STERN-Journalist glaubt, die Kompetenz und Autorität dazu zu haben), wer sich nicht zur "Hippiegeneration" zählt, für die "der legendäre Exposé-Autor William Voltz das Perryversum [...] militärisch ab und spirituell auf[rüstete]", wer keine Lust mehr darauf hat, daß "Hartz IV inzwischen auch im Weltraum angekommen" ist, der sollte sich im ALDEBARAN-Universum recht wohl fühlen.

Lanz Martell:
Was bedeutet für Sie "Military-SF"?

Heinrich von Stahl:
Die Geschichte der Menschheit ist bis in die Gegenwart geprägt durch bedeutende Persönlichkeiten, gesellschaftliche Umwälzungen und durch ständige Kriege. Somit sind diese Dinge sozusagen natürliche Handlungselemente einer Space-Opera. Deshalb ist ALDEBARAN eine Geschichte bedeutender Persönlichkeiten, von Helden, die sich in einem gnadenlosen Kampf einem überlegenen Feind stellen müssen.
Natürlich sind Kriege nichts Wünschenswertes. Doch gerade die Schilderungen militärischer Auseinandersetzungen verleihen ALDEBARAN die notwendige Würze, um den Leser, so hoffe ich doch, für ein paar Stunden in eine phantastische, spannende Welt zu entführen.
Die spannungsbildenden militärischen Elemente der Serie sowie die Schilderung einer undemokratischen, imperialen Gesellschaft befinden sich zweifellos im Einklang mit der gängigen Medienethik, die eine Begrenzung von Gewalt auf den fiktionalen Bereich als Mittel zu deren Domestizierung ansieht. Vor diesem Hintergrund wundert es mich sehr, um nochmals auf PERRY RHODAN zurückzukommen, daß diese Serie militärisch abgerüstet und damit eines wichtigen Spannungselements beraubt wurde. Da es dafür keine medienethischen Gründe gibt, müssen die Ursachen ideologischer Natur sein. Deshalb fange ich mit ALDEBARAN dort an, wo PERRY RHODAN aus ideologischen Gründen aufgehört hat.

Lanz Martell:
Wo hat denn Ihrer Meinung nach PERRY RHODAN "aus ideologischen Gründen" aufgehört?

Heinrich von Stahl:
PERRY RHODAN war schon immer ein Produkt des Zeitgeistes. Als militärische Elemente zur Spannungsanreicherung in Deutschland noch selbstverständlich waren, machte man in den PERRY-Heften auch reichlich Gebrauch davon. Als dann im Zuge der 68er Bewegung alles Militärische mit "politisch rechts" und sogar "Nationalsozialismus" assoziiert wurde, folgte bei RHODAN auch prompt die bereits erwähnte militärische Abrüstung. Man muß sich einen derartigen Unsinn wirklich einmal vergegenwärtigen: Natürlich ist Militarismus etwas Schlechtes. Vampire und Zombies sind das sicherlich auch. Trotzdem sind letztere ein unverzichtbares Spannungselement von Horrorgeschichten. Eine ähnliche Rolle spielt die kriegerische Auseinandersetzung meiner Meinung nach in der Science Fiction. Kein geistig gesunder Mensch wünscht sich real existierende Vampire und Zombies, wie sich kein geistig gesunder Mensch einen Krieg wünscht. Geschichten über diese Dinge sind einfach spannend und haben nichts mit Ideologie zu tun. Bei PERRY RHODAN wurde das militärische Element jedoch zu "rechter" Ideologie erhoben und ebendeshalb abgeschafft. Hollywood ist ein derartiger Ideologie-Tick übrigens fremd. Viele der großen und erfolgreichen SF-Filmproduktionen erzählen die Geschichte eines Krieges, ohne den von "Star Wars", "Kampfstern Galaktica", "Terminator", "Starship Troopers" oder "Independence Day" nicht viel übrig bliebe.

Lanz Martell:
Wie kommt ein Ex-Mitarbeiter von Area 51 dazu, einen Science Fiction-Roman zu schreiben? Läge es nicht näher, ein Sachbuch über Ihre Arbeit in der Area zu verfassen?

Heinrich von Stahl:
Sämtliche Sachbücher über die Area 51 und ihre Hintergründe enthalten nur solche "Fakten", die den Betreibern der Area ins Konzept passen. Bei diesen Fakten handelt es sich ausnahmslos um Desinformation. Die Motivation für diese Strategie ist einfach: Die schiere Zahl von Ufo-Sichtungen, die Übereinstimmung der geschilderten Form der "Alien-Raumschiffe", die besondere Häufigkeit der Sichtungen in der Nähe der Area 51, die Mythen um Neuschwabenland, der fehlende Fortschritt der offiziellen Weltraumprogramme – all dies deutet klar darauf hin, daß "irgendwas im Busch" ist. Die Aufklärung der tatsächlichen Zusammenhänge würde das Selbstverständnis der Menschheit grundlegend verändern. Ein derart tiefer Eingriff in die Entwicklung Terras würde eines triftigen Grundes bedürfen, der, zum Glück für uns alle, noch nicht vorliegt. Es besteht jedoch eine gewisse Wahrscheinlichkeit dafür, daß die Geschehnisse in den kommenden Jahren eskalieren, so daß die Information der Öffentlichkeit unumgänglich wird. Im Vorfeld einer solchen Entwicklung wäre in der Tat die Zeit für ein Sachbuch gekommen. Bis dahin ist die Vermischung von Realität und Fiktion in SF-Romanen sinnvoller.

Lanz Martell:
Wer ist Heinrich von Stahl wirklich?

Heinrich von Stahl:
Ich bin äußerst sensibel. Deshalb fordere ich alle Journalisten vom Kaliber des zuvor erwähnten STERN-Schreiberlings auf, bei der Bewertung meiner Bücher Nachsicht walten zu lassen. Ich denke, einen negativen Artikel über meine Arbeit im STERN oder im SPIEGEL würde ich psychisch nicht verkraften.
 

ALDEBARAN im HJB Shop:
http://www.hjb-shop.de/aldebaran/
 

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